III. Umsetzung der „Aktiven Pause“
1. Ausgangssituation
1.1 Die Schüler
Die Gustav-Lesemann-Schule ist eine Sonderschule (Förderschule) in Hockenheim. Die Schule für „Lernbehinderte“ nimmt in allen Schulstufen Schüler auf, die besonderer Förderung bedürfen. Die Schüler kommen in unterschiedlichem Alter und mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in diese Schule:
- Schüler, die in die Unterstufe direkt eingeschult werden, zeigen vielfach erhebliche Rückstände im elementaren Lernen;
- Schüler, die nach längeren Schulerfahrungen in der Grundschule aufgenommen werden, zeigen umfassende Leistungsrückstände;
- Schüler, die aus der Hauptschule kommen, weisen zum Teil zusätzliche misserfolgsorientierte Verhaltensauffälligkeiten auf;
- Schüler, die aufgrund ihres Aufwachsens in kulturell und sprachlich unterschiedlichen Lebenswelten Schulschwierigkeiten haben, fehlen Grundkenntnisse aufgrund einer ungünstigen Schullaufbahn.
Schüler, die die Förderschule besuchen, weichen in ihren Leistungen und in ihrem Verhalten deutlich von dem ab, was von Gleichaltrigen gemeinhin erwartet wird. Die Lebens- und Lerngeschichte vieler Schüler weist Belastungen auf, die auf ihre Persönlichkeit und auf ihr Selbstwertgefühl gerichtete Hilfen begründen. Auch mit besonderen Förderbedürfnissen zur Entwicklung kognitiver und sprachlicher Fähigkeiten sowie des sozialen Verhaltens ist zu rechnen.
1.2 Die Schule
Die Gustav- Lesemann-Schule ist eine Förderschule in Hockenheim. Die ca. 110 Schüler, die diese Schule besuchen, kommen aus der näheren Umgebung. Sie ist für ihre Schüler ein Erziehungs- und Lernort, an dem sie besondere Zuwendung, Förderung und Anerkennung erfahren. Sie versucht die Schüler auf die Herausforderungen ihres Lebens vorzubereiten und hilft ihnen,
- ihre persönlichen Fähigkeiten zu entdecken, zu entfalten und so Selbstvertrauen zu entwickeln,
- Verzögerungen, Hemmungen und Defizite der Entwicklung bestmöglich auszugleichen,
- das für die Bewältigung des Alltags und die berufliche Bildung erforderliche Sachwissen zu erwerben,
- Zugänge zu Arbeit und Beruf zu finden,
- verlässliche Kontakte zu Personen, Gruppen und Einrichtungen zu knüpfen, die ihnen die Teilhabe auch am Leben außerhalb der Schule und über die Schulzeit hinaus ermöglichen.
Die Ausgangssituation auf unserem Schulhof ist sicher typisch für viele Schulhöfe unseres Landes. Er besteht aus einer zur Hälfte asphaltierten und zur anderen Hälfte aus Rasen bestehenden Fläche. Die Tischtennisplatte wird von den Kindern genutzt, sofern Tischtennisschläger und ein Tischtennisball vorhanden sind. Es gibt ein Klettergerüst, welches sich zu viele Kinder teilen müssen. Kleinspielgeräte sind kaum vorhanden. Da an unserer Schule Kinder und Jugendliche von den Klassen 1-9 unterrichtet werden, liegen die Interessen weit auseinander und es muss eine Lösung für alle Beteiligten gefunden werden.
2. Mehr Bewegung in die Schule – ein langer Weg
Die Unzufriedenheit der Kollegen mit der Pausensituation wurde von Tag zu Tag größer. In nahezu jeder Lehrerkonferenz erwies sich die große Pause als ein problematischer Bereich im Schulalltag. Als Ursachen wurden fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten, unterschiedliche Interessen älterer und jüngerer Schüler, eine unstrukturierte und anregungsarme Schulhofgestaltung gesehen. Nicht selten kam es nach den Pausen, die ja eigentlich der Erholung dienen sollten, zu Beschwerden und Unmutsäußerungen der Schüler. Diese Konflikte mussten nach der Pause geklärt werden.
Bei der Initiierung einer „Aktiven Pause“ kommt gerade den Sportlehrkräften eine besondere Aufgabe zu. Sie sind in aller Regel die Fachkräfte, die ihr Wissen um die Bedeutung von Bewegung für die Entwicklung, für das Lernen und für das Leben von Kindern- und Jugendlichen an andere weitergeben können. Sie müssen Bereitschaft zeigen, in Lehrer- und Schulkonferenzen ihre Kenntnisse weiterzugeben. Gerade sie können überzeugend praktische Beispiele vorstellen.
Bei der Entwicklung der „Aktiven Pause“ an der Gustav-Lesemann-Schule wurden auch die Schüler mit einbezogen, um die es eigentlich bei der ganzen Sache geht. So wurde zum einen das Verhalten der Schüler in der Pause beobachtet: Welche Räume werden genutzt? Welche Spielgewohnheiten gibt es? Wo liegen offensichtliche Defizite? Wo entstehen kleinräumige Kommunikationsecken? Zum anderen planten und halfen die Schüler innerhalb zwei Projektwochen (im Schuljahr verteilt) bei der Schulhofumgestaltung mit.
Eine „Aktive Pause“ kann aber auch nur mit den notwendigen finanziellen Mitteln umgesetzt werden, ansonsten basiert das Ganze auf „verlorenen Boden“. So mussten wir darum „kämpfen“, finanzielle Mittel für die Pausenumgestaltung zu erhalten. Ohne diese finanzielle Unterstützung, hätte die Idee der „Aktiven Pause“ nicht umgesetzt werden können. Wir sind aber auch weiterhin auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um Spielgeräte für die Spielpause neu anzuschaffen bzw. auch andere Spielgeräte einzusetzen und um den Schulhof weiter gestalten zu können.
3. Auswahl der Spielgeräte
Die Auswahl der Spielgeräte wurde unter dem Gesichtspunkt der Schulung von Koordinationsvermögen getroffen. Die Ausbildung von Geschicklichkeit und Balancefähigkeit erfordert ein hohes Maß an vorausschauendem Denken. Zusatzaufgaben erfinden die Kinder von selbst, d.h. ein kreatives Element ist gegeben. Durch bestimmte Bewegungen (z.B. Hüpfen, Springen) werden synergetisch Kraft und bei häufigen Wiederholungen auch die Ausdauer geschult.
Aus Sportkatalogen wurde den Kindern eine Auswahl an Spielgeräten vorgelegt. Entsprechend ihrer Wahl, wurden diese Geräte dann angeschafft. Die Schule stellte folgende Auswahl zusammen: Seile, Ringwurfspiel, Catch-Ball, Weich- und Softbälle in allen Größen, Basketbälle, Basketballkorb, Stelzen, Moonhooper, Pedalos, robuste Rückschlagspiele (z.B. Beach-Ball, Indiaca-Tennis, Federball, Tischtennis).
4. Organisation der „Aktiven Pause“
Neben der Sportgeräteauswahl stellt auch die Organisation der Pause einen wichtigen Beitrag für das Funktionieren des Pausensports dar.
s Die Spielgeräte befinden sich in einem Rollcontainer, die von den dafür verantwortlichen Schülern an einen vorgesehenen Ausleihplatz gebracht werden.
s Jeder Schüler besitzt ein Ausleihausweis. Bei Abgabe dieses Ausweises am Ausleihplatz erhalten die Kinder ein Spielgerät, welches sie nach der Pause wieder abgeben müssen, ansonsten erhalten sie ihren Ausweis nicht zurück und können in der Zukunft keine weiteren Geräte ausleihen.
s Spieletutoren, welche in einer AG ausgebildet werden, helfen ihren Mitschülern beim Spielen. Dabei leiten sie ihre Mitschüler in einem Spiel an, bringen ihnen neue Spiele bei, fungieren als Schiedsrichter usw.
5. Projektwoche: Planung und Bau einer Kletterwand
Unter der Anleitung der Heidelberger Werksatt GmbH planten und gestalteten die Schüler eine Kletterwand. Dabei wurden viele verschiedene Kompetenzen erfordert. Die Jugendlichen erhielten einen Einblick in verschiedene Gewerke, lernten Teamarbeit, Ausdauer und Stetigkeit und wurden in ihrer Kreativität gefördert. So erfuhren alle Beteiligten gleichermaßen: Arbeit kann auch Spaß machen!
Zuerst müssen die Schüler Sträucher entfernen und somit Platz für die Kletterwand schaffen.
Danach musste eine Fallgrube ausgehoben werden.
Schließlich geht es an den Bau der Kletterwand.
Und endlich ist es so weit! Die Kletterwand ist fertig und kann erklommen werden.
6. Sponsoren
Recht herzlich möchten wir, die Schüler und Lehrer der Gustav-Lesemann-Schule, uns bei unseren Sponsoren bedanken, ohne deren finanzielle Unterstützung eine solche Umsetzung der „Aktiven Pause“ nicht möglich gewesen wäre.
Aktion Mensch
Schulstiftung Baden-Württemberg
Firma Limböck in Hockenheim
Sparkasse