IV. Ein erstes Resümee

Kaum hat die große Pause in der Gustav-Lesemann-Schule begonnen, sind schon Mädchen und Jungen dabei, sich auf Pedalos zu schwingen, Stelzen zu besteigen, zu klettern und Tischtennis zu spielen.

Seitdem Spielgeräte auf dem Schulhof vorhanden sind, haben die Schüler diese in Besitz genommen und sind unermüdlich dabei, sie auszuprobieren. Langes Sitzen ist weder gesund, noch fördert es die Konzentration. Nur wenn Kinder ausreichend Möglichkeit zur Bewegung haben, können sie danach Konzentration und Ruhe finden. Das Eine - konzentriertes Lernen - und das Andere - erfrischende Bewegung - gehören zusammen. Die Gustav-Lesemann-Schule ist dabei, mehr und mehr dieses Gleichgewicht anzusteuern. Schaut man den Kindern zu, wie sie mit ihren Moonhoppern, Stelzen und anderen Spielgeräten experimentieren, so wird jedem Betrachter sehr schnell klar: Hier lernen Kinder mit großer Konzentration, sie machen Erfahrungen mit ihrem Körper, geraten aus dem Gleichgewicht, versuchen es wieder zu erlangen, stürzen dabei, lernen zwangsläufig sich aufzufangen und erfahren auf diese Weise eine Menge über ihre reale Bewegungs- und Alltagswelt. Die Kinder suchen sich ihr Experimentiergerät selbst aus, und im Verzicht auf die helfende Hand von Erwachsenen bildet sich viel eher die Fähigkeit zur selbständigen Bewältigung von Gefahrensituationen aus. Dies alles geschieht weitgehend absichtslos – im Gegensatz zum Lernen in der Sitzschule. Sie rennen, springen, balancieren und toben aus Spaß und reiner Freude.

Zuvor ging es noch, wie in vielen anderen Schulen auch, in den Hofpausen „drunter und drüber“. Die Jungen ärgerten die Mädchen, der Stärkere setzte dem Schwächeren zu, es wurde gerempelt, geschubst, gerauft, gehänselt und sehr oft kam es zu Handgreiflichkeiten. Dieses Verhalten ist nicht gänzlich verschwunden, jedoch insgesamt betrachtet, haben die veränderten Bedingungen die Anzahl und die Heftigkeit der Pausenkonflikte nachhaltig verringert. Heute herrscht ein buntes, überschaubares Treiben auf unserem Schulhof. Ab und zu müssen noch kleine Streitigkeiten geschlichtet werden, aber insgesamt ist die Pausenaufsicht viel entspannter geworden.

Durch die Bewegung im Sportunterricht und in der Spielpause verbessern sich die Bewegungsmöglichkeiten der Kinder. Einseitige Belastungen, vor allem gesundheitliche Defizite, werden kompensiert. Die Schüler an der Gustav-Lesemann-Schule werden durch die Bewegungsangebote in ihrer Entwicklung gefördert und erhalten ganzheitliche Erfahrungsmöglichkeiten. Damit wird an der Gustav-Lesemann-Schule das Postulat im Bildungsplan Baden-Württemberg, Schulsport muss mehr sein als Sportunterricht, sowohl durch das Pausensportangebot als auch durch das zum Teil bestehende Angebot von Arbeitsgemeinschaften, Sporttagen und Wandertagen, umgesetzt[1].


 

V. Literatur

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Breithecker, D.: In die Schule kommt Bewegung. Sinnes- und bewegungsaktives Lehren und Lernen im Lebensraum Schule. In: Illi, U./ Breithecker, D./ Mundigler (Hrsg.): Bewegte Schule. Gesunde Schule. Aufsätze zur Theorie. Zürich, 1998.

 

Eckerlein, T: Förderschulen in Bewegung. Theoretische Grundlagen und analytische Exploration zur gegenwärtigen Situation der Haltungs- und Bewegungserziehung in sonderpädagogischen Diagnose- und Förderklassen und Schulen zur individuellen Lernförderung. Franfurt am Main: Peter Lang GmbH, 2000.

 

Funke-Wienecke, J.: Vom Sitzraum zum Bewegungsraum. In Dannenmann, F./Hannig-Schosser, J./Ullmann, R. (Hrsg.): Schule als Bewegungsraum. Konzeptionen - Positionen - Konkretionen. Tagungsbericht eines Expertengesprächs am 25./26. April 1996 in Heidelberg. Stuttgart 1997, 109-120.

 

Hahn, H./ Dr. Wetterich, J.: Bewegungsfreundlicher Schulhof. Bewegung, Spiel und Sport in der Schule. Aktive Pause. Pausenhofgestaltung. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport.

 

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Illi, U./ Zahner, L.: Bewegte Schule - Gesunde Schule. In: Pühse, U./Illi, U. (Hrsg.): Bewegung ist Leben. Bewegung und Sport im Lebensraum Schule: ein Kongressbericht, Basel 13.-14. Juni 1997. Schorndorf 1999, 23-49.

 

Klupsch-Sahlmann, R.: Bewegte Schule. In: sportpädagogik 6 (1995), S.14-22.

 

Klupsch - Sahlmann, R.: Bewegte Grundschule. In: Die Grundschulzeitschrift 11 (1997) 109, 6-13.

 

Kiphard, E.: Psychomotorik in Praxis und Theorie. Gütersloh 1994.

 

Laging, R.: Schulsport als bewegte Schulkultur. In: sportpädagogik 21 (1997) 1, 62-65.

 

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Ministeriums für Kultus und Sport Baden-Württemberg: Bildungsplan für die Schule für Lernbehinderte, Bd.1 und 2. Stuttgart: Neckar Verlag, 1990.

 

Ministeriums für Kultus und Sport Baden-Württemberg: Bildungsplan für die Grundschule. Stuttgart: Neckar Verlag, 1994.

 

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[1] vgl. Ministerium für Kultus und Sport Baden-Württemberg 1994, S.28